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Über Kessel.TV & Lokalpatriotismus

Aufgetaucht Part 2: Der Text über Lokalpatriotismus vom Herbst 2017 basiert auf unterem Interview, das ich Stadtkind über meinen Blog und Stuttgart gegeben habe. Wir haben uns damals entschieden, die Antworten als kurzes “Essay” umzuschreiben und zu veröffentlichen.


Was war damals deine Idee hinter kessel.tv?

Ich habe acht Jahre als Redaktionsleiter bei dem Stadtmagazin Sub Culture gearbeitet und dort Mitte der Nullerjahre das Internet als Publikationsmöglichkeit für mich entdeckt. Nur war die Sub Culture-HP, wie so viele Seiten damals, sehr unübersichtlich und das CMS dahinte umständlich und nervenaufreibend.

Parallel zu dieser Zeit poppten die ersten Blogs auf. Spannend fand ich daran zum einen die Einfachheit und schlanke Struktur, sowie dass der aktuellste Beitrag oben angezeigt wird.

Letztendlich wollte ich wenigstens einmal Leben mein ganz eigenes Ding starten, bei dem mir niemand “reinschwätzt” und ein Blog war und ist eine sehr einfache Möglichkeit das zu tun. Zumindest das Ding zu starten, am Ball bleiben ist dann doch, ja, Arbeit.

2008 fand ich nach einem Research, dass ein Stuttgart-Blog fehlt, zumindest so wie ich mir einen Blog vorstelle, wie ich diese Stadt sehe, kenne und liebe. Ein Blog, der sich mit Stuttgart auseinandersetzt, was ich gut finde an Stuttgart und seinen Protagonisten (aber auch nicht so gut) und Blog, der vor allem zeigt, dass Stuttgart viel, viel mehr ist als das unendlich durchgeleiherte Klischeebild von Weindorf, Wasen, Kehrwoche, Sparsamkeit und Fernsehturm.

Der URL-Name ist meine Idee und das .TV soll früher wie heute drauf hinweisen, dass es auch „trashig“ zu gehen kann, als wie im TV eben. Seit 4. Juli 2008 sind wir online. 

Warum glaubst du, dass viele sich mit Stuttgart nicht so identifizieren, bzw. der Lokalpatriotismus hier nicht so ausgeprägt ist wie in München oder Köln?

Ich kann keinen Vergleich ziehen, weil ich nicht weiß, wie ausgeprägt der Lokalpatriotismus in anderen (deutschen) Städten ist. Ich finde aber, dass er in Stuttgart sehr ausgeprägt ist und das schon relativ lange. Für meine Generation wurde er spätestens ganz offensichtlich mit dem Song „Mutterstadt“ von Massive Töne.

Meine Wahrnehmung im Jahr 2017 ist sogar: Es ist Lokalpatriotismus-Peaktime. Es ist ja fast schon eine Art Geschäftsmodell, Stuttgart geil zu finden, siehe nur das Stuttgart-Panini-Album, das sich angeblich sehr gut verkauft, oder Dinge wie „Stuggi-Schorle“ oder vergangenes Wochenende die Messe „Made in Stuggi“.

Ganz zu schwiegen von den unzähligen Stuttgart-Instagram-Seiten, die sich damit überbieten, ein starkes Bild nach dem anderen zu posten. Dazu hagelt es unzählig passenden Kommentare, wie sehr man das Stuttgart alles liebt. Ich habe das Gefühl, auch verstärkt durch Social Media, dass die Liebe zur Stadt nie breiter und größer proklamiert wurde als heutzutage.

Alles in allem glaube ich aber, dass die Stuttgarter schon immer ganz gerne ihre Stadt mochten und auch stolz auf ihre Stadt waren, es aber eventuell vielleicht nur weniger zeigten bzw. in die Welt rausschrieen als heute. Erkennt man an alten Stuttgart-Bücher und den Texten darin (aus 70er, 80er Jahren, hab da das eine oder andere) oder an älteren Liedern wie „In Heslach fängt die Liebe an“ (finds leider ums Verrecken nicht auf Youtube oder sonst wo).

Vielleicht kommt der Stuttgarter Lokalpatriotismus manchmal einfach nicht immer so gut durch, weil Stuttgart seit jeher viel Negatives über sich ergehen lassen musste bzw. schon immer mit vielen Klischees zu kämpfen hatte – gefühlt mehr, als andere Städte. So Dinge wie Kehrwoche, Ordnung, Geiz und sowieso allgemein das Bild vom angeblich „langweiligen Schwaben“ haben sich scheinbar sehr sehr tief ins deutsche Hirn gebrannt.

Aber klar, bei München ist mein erster Gedanke auch „Schickimicki“-Stadt, was per se nicht stimmt und München (natürlich) viel mehr ist als nur dieses eine Klischee. Aber wie bei so vielen Dingen im Leben muss man sich einfach selbst ein Bild machen. Und so kenne ich viele Leute, die nach Stuttgart gezogen sind, vielleicht erst widerwillig und jetzt nie wieder weg möchten. Natürlich kenne ich auch welche, die regelrecht Hals über Kopf geflüchtet sind und es hier einfach nicht mehr ausgehalten haben, weil es ihnen hier zu klein, zu eng, zu dörflich oder was auch immer ist. Da hat eben jeder eine andere, eigene Wahrnehmung.

Ich meine, so geil ist z.B. Köln jetzt auch nicht, hahaha, und mal ehrlich, wer will schon nach Hannover oder Dortmund? 

Ist Stuttgart für dich selbst Heimat? (Kommst du gebürtig aus Stuttgart?)

Ja. Nie zugezogen und nie weggezogen.

Was ist an Stuttgart trotzdem cool, gut, toll? Und was gar nicht?

Ein „trotzdem“ gibt`s für mich nicht, weil ich gar nicht weiß, gegen was ich trotzen und nicht cool finden soll, hihi. Okay, zunächst einmal ist für mich in Stuttgart natürlich alles cool und toll, weil ich hier eben Zuhause bin und ich mich hier seit 40 Jahren sehr wohl fühle und die Stadt regelrecht genieße und lebe, ich treffe immer Leute, kurzer Checkup was geht, Kaffee hier und dort usw. I love it. 

Zudem hat sich die Stadt gerade in letzten 15, 20 Jahren wahnsinnig verändert – zum Positiven. Sehr zum Positiven. Viele gute Leute machen viele gute Dinge. Das Fluxus ist nur DAS Paradebeispiel, dass man toten Raum beleben kann. Oder nimm den Hans im Glück-Brunnen, ein lauer Frühlings-Sommertag, Montag, Dienstag, egal… alle Gastros voll besetzt.

Die Stuttgarter/Schwaben waren schon immer Lebe- und Genussmenschen, aber zwischenzeitlich hat er noch mehr Möglichkeiten, das auszuleben. Und er/sie/es tun es.

Allein die ganze Club-Bar-Gastro-Szene ist kein Vergleich zu vor 15, 20 Jahren. Es wird ja aktuell quasi im Wochentakt über irgendeine Neueröffnung berichtet. Als ich vor 20 Jahren ausgegangen bin, hatten wir zwei, drei Optionen, wenn überhaupt. 

Auf der anderen Seite sehe ich natürlich die großen Probleme der Stadt, die in den letzten Jahren hinzugekommen sind bzw. zugenommen haben und das sind aktuell eben die oft zitierten Themen Mobilität, Verkehr sowie die Mieten. Ich hoffe, dass wir uns da halbwegs heil raus manövrieren, bevor das alles hier eskaliert und wir gar nicht mehr voran kommen und auf der Straße, blöd gesagt, die Köpfe einschlagen. Da ist nicht nur allein die Politik gefragt, sondern definitiv jeder selbst.

Radfahren geht in Stuttgart. Die Stadtbahn funktioniert. Man muss manchmal halt auch nur wollen.

Außerdem hat man das Gefühl, und das jetzt schon seit mehreren Jahrzehnten, dass die Stadt nie „fertig“ wird. Mal ganz abgesehen davon, dass eine Großstadt wie Stuttgart nie fertig sein wird und sich immer weiter entwickelt MUSS – sonst würden wir heute noch mit Autos durch die Königstraße fahren und das will sicherlich auch niemand mehr. Nur eines vielen Beispielen.

Die Frage ist nur wie und in welchem Maß. Im beengten Stuttgart fühlt sich das so an: Ist die eine große Baustelle weg (wie z.B. Dorotheen Quartier), wird die nächste Wunde aufgerissen (nächstes Jahr z.B. Fluxus / Stadtmitte). Abgesehen davon, dass die Stadt ja so ganz nebenbei den Bau des berühmtesten Bahnhofs der Welt verkraften muss.

Vieles davon macht sicherlich Sinn und ist berechtigt, aber als Bürger ist man zu einem gewissen Grad erschöpft. Ich wünsche mir sehr, wenn irgendwann besagter Bahnhof und das neue Areal dazu fertig sein sollten, dass Stuttgart dann – wenigstens für einige wenige Jahre – wirklich mal „fertig“ ist. 

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Über den Stuttgarter Lokalpatriotimus für Stadtkind

Wieder ausgegraben: Im Herbst 2017 habe ich für Stadtkind Stuttgart das Phänomen Lokalpatriotismus analysiert, der in Stuttgart traditionell sehr ausgeprägt ist (wie auch bei mir).


In einer Welt, die scheinbar oft nur noch in Gefühlen und Gefühlslagen vermessen wird, ist der Lokalpatriotismus in Stuttgart gefühlt so stark wie nie zuvor. Dabei hatte Stuttgart Lokalpatriotismus schon immer ganz gut drauf. 

Vielleicht auch weil der klischeebehaftete Anti-Stuttgart-Wind seit jeher stark durch die restliche Republik bläst (und, wieder gefühlt, erst in den letzten Jahren etwas abnimmt). Da muss man dann halt auch mal aufstehen und sich dagegen stemmen, vor allem wenn man hier sehr gerne lebt. Meine Generation hält spätestens seit Mitte der 90er mit dem Song „Mutterstadt“ von Massive Töne die Stuttgart-Fahne hoch. Und wenn morgens beim letzten Song „1st Liebe“ von Max Herre der ganze Club mitsingt, dann weißt du wieder: Des isch halt des. Stuttgart.

Diese einzigartigen „Mutterstadt“-Zeilen, an die seitdem nie wieder ein anderer Stuttgart-Song rankam, sind nun 20 Jahre alt oder jung. Gut zehn Jahre nach der Veröffentlichung starteten Thorsten Weh und ich im Juli 2008 einen der damals ersten Stuttgart-Blogs namens Kessel.TV. Die Idee einst wie heute: Kessel.TV sollte die Stadt so wiedergeben, wie wir diese Stadt sehen, kennen und vor allem lieben. Auf dem lokalen Online-Korridor war es damals noch relativ einsam, fast noch dunkel. Zu jener Zeit war das iPhone gerade ein Jahr lang auf dem Markt, die Video-Qualität auf Youtube relativ mies, Facebook schlug ganz vorsichtig in Deutschland auf und Instagram war noch nicht einmal eine Idee.

Weitere zehn Jahre später, im Jahr 2017, ist die digitale Straße namens Stuttgart-Liebe dicht besiedelt, siehe nur die vielen Facebook-Seiten oder die unzähligen Stuttgart Instagram-Accounts, die ein starkes Bild nach dem anderen posten. Machen wir bei Kessel.TV auch gerne mit. Und auch beim dreimillionsten Schlossplatz-Fernsehturm-Kessel-View-Shot hagelt es Likes en Masse. Bald ist ja auch wieder Weihnachtsmarkt. Insta-Erfinder Kevin Systrom fällt bestimmt vor lauter Vorfreude von seinem Rennrad, das er so gerne fährt.

Dazu bringen die User in unzähligen Kommentaren („ach Stuttgart“, „unser Stuggi“, „KESSELLIEBE!!!11!!!!“) und versehen mit vielen Herzle-Augen-Emojis ihre Heimatliebe zum Ausdruck. Verstärkt durch Social Media wurde die Liebe zu Stuttgart nie breiter und größer proklamiert als heutzutage. Und sowieso: Bildergalerien mit alten Stuttgart-Bildern gehen immer und überall.

Nicht nur aus den Smartphones sprudelt eine warme Stuttgart-Zuneigung, auch im Real Life ist Lokalpatriotismus-Peaktime. Und der Hype ist für manch einen sicherlich ein ganz gutes Geschäft (das gilt natürlich ebenso für online), siehe z.B. das Stuttgart-Panini-Album, das sich scheinbar besser verkauft als die tägliche Auslage beim Bäcker Frank, oder die Bücher der Facebook-Seite „Unnützes Stuttgart Wissen“, die mir auch schon meine Mutter unter den Weihnachtsbaum gelegt hat. Ihr Gedanke: „Etwas mit Stuttgart gefällt ihm bestimmt“. Ja, das ist richtig, meistens. Das Panini-Album brauche ich allerdings nicht, danke.

Manche Produkte benutzen zwischenzeitlich stolz die mir schwer suspekte Stuttgart-Abkürzung „Stuggi“ („Stuggi Burger“, „Stuggi Schorle“, Weißwürste namens „Stuggis“), was vor einem Jahrzehnt noch undenkbar gewesen wäre. Messen für lokale Aussteller wie die „Made in Stuggi“ werden die Türen eingerannt und in der ganzen Stadt sind die Beutel und Sticker mit dem Aufdruck „Make Königstraße great again“ des temporären Kaufhaus Mitte zu sehen. Keine Frage, Dr. Love spreadet eine Liebeserklärung nach der anderen über „Stuttgarts Hügeln in die Welt“.

Passend zum Lokalpatriotismus-Boom boomen bekanntlich seit Jahren alles wo „Stuttgart-Krimi“ drauf steht. Das Stuttgart-Abteil beim Wittwer platzt eh bald. Die Klamotten mit lokalen Liebesbotschaften bekommt man in Läden wie z.B. dem S-T-G-T / 0711 Store. Das ist schwäbisch-präzis organisiertes Open Source-Stadtmarketing. Bei der Stuttgart-Marketing GmbH macht man gerade wahrscheinlich jeden Tag ein Faß auf, eines aus der Tübingerstraße natürlich, weil es läuft ja alles von alleine. Kleines Scherzchen.

Passend zu diesen Zeiten setzen jetzt auch noch der VfB Stuttgart gemeinsam mit dem Kreativnetzwerk 0711, die quasi den modernen Lokalpatriotismus vor über 20 Jahren erfunden haben, die nächste Benchmark: Ab kommenden Dienstag, 7. November (12:00 Uhr) kann man im Popup-Store am Rotebühlplatz 20a die limitierte Kooperations-Kollektion „Wir sind Stuttgarter“ erwerben, darunter das VfB X 0711 Stadttrikot. Eine derartige Liaison aus Profifußballverein und Profikreativen im Zeichen der Heimatliebe ist bis dato nicht bekannt. Mehr geht nicht. Erst einmal nicht zumindest nicht.

Hinter dieser rosaroten Stuttgart-Brille und tausenden Bärenseen und Santiago De Chile-Plätzen im Bauch muss natürlich gerechterweise noch anmerken: Diese Liebesgefühle stellen sich natürlich längst nicht bei allen Menschen ein. Der Unmut über die Stadt, und sei es nur die Aussage, wie hässlich die Stuttgart denn ist (what?!!?!), hat sich die letzten Jahre ebenso gut konserviert wie Herzleaugen-Emojis unter Kessel-Bilder.

Ist natürlich auch nicht immer alles geil hier, ganz im Gegenteil. Jede Großstadt hat ihre eigenen großen wie kleinen Probleme. In Stuttgart erscheinen sie oftmals ein klein wenig größer. Die Frage ist nur, was man daraus macht: Tagein tagaus schimpfen oder trotzdem seine Liebe zeigen? Letzteres scheint aktuell der Zeitgeist zu sein. Auch wenn mir davon nicht alles gefällt: Mir gefällt das. Und wie meinte neulich erst das Blog European Coffee Trip zu den Stuttgarter: „When the sun is out, so are the people!“ 

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Lost / Found / Fun SubCulture Editorials SubCulture Männerchät

SubCulture Editorial & erster Männerchat mit Kutmaster Krupa / April 2005

(Anmerkung: Ich bin nach wie der Meinung, dass diese Kolumne, die per Zufall als Editorial entstand und danach regelmässig auf der letzten Seite im SubCulture zu lesen war, damals Neuland in (deutschen) Medien war. Uns war zumindest kein anderes Magazin/Printmedium bewusst, dass eine ähnliche Rubrik hatte. Nach meinem Ausstieg bei SubCulture im Oktober 2008 führten Mario Krupa und ich den Chät noch einige Jahre weiter fort. Im Chät wurde auf Rechtschreibung schwer geschissen (alles klein), wir tippten wie wir redeten.) 

Männerchat Kutmasta Krupa & Martin

M: und?

Kutmaster Krupa: hab grad berlin gebucht. 09.04. – 13.04. fett. 57 euro flug return! hoffentlich ist was gutes an dem wochenende

M: bestimmt so ellen allien oder so… 🙂 oder tanith

Kutmaster Krupa: ja super. da geh ich hin: Rauchfrei Tanzen – Trance, Elektropop 09.04.2005 – 21:00 Uhr >> Dragon Works. Haha. TRANCE!!! rauchfrei!!!! damit nur die pillen auf die gesundheit schlagen…. oder: Kontor – Top of the Clubs Tour 2005 – 09.04.2005 – 22:00 Uhr >> Lindenpark Potsdam yeah!

M: da wirste glücklich!

Kutmaster Krupa: hab aber nix gefunden was mich umhaut. ist halt berlin

M: alles überbewertet

Kutmaster Krupa: …und wenn mal was cooles ist, kommt keiner

M: aber berlin voll fett! haha! gibts was neues? also ladies technisch?

Kutmaster Krupa: leider nix

M: schade, bei mir aber auch net.

Kutmaster Krupa: und das obwohl du benny sings hast! 🙂

M: hm, stehen da frauen drauf?

Kutmaster Krupa: voll. also die coolen. du solltest öfter im schocken abhängen. da sind schon einige sehr attraktiv und cool

M: ich glaub schocken is nich so mein place. obwohl ich es ja schon cool finde. aber zu viel intellektuelle zugereiste

Kutmaster Krupa : ach scheiß drauf. die mädels sind toll 🙂 das reicht. musik is auch gut. und bier ebenso. kurze kosten nur 1,50. hammer laden. bin gespannt aufs rocker

M: ich auch. wird bestimmt fett

Kutmaster Krupa: in b gibts coole mädels… leider sind die meist etwas zu cool. so voll abgebrühte. die nix schockt

M: klar, wie alle dort. alles assis

Kutmaster Krupa: naja… aber diese mädchen, die man morgens auf fahrrädern sieht – die sind echt der hammer… gibts auch nur dort und in hh. hier fahren die alle papas a-klasse

M: mag sein. ich fahr auch mercedes. 🙂

Kutmaster Krupa: ich renault! 🙂 ich glaub mein auspuff is schrott. ist voll laut geworden das ding. muss man immer die anlage aufdrehn damit mans nicht hört

M: ja wart noch ne woche, dann sammeln dich die cops ein

Kutmaster Krupa: bin neulich mal 140 gefahren und der war so laut… ich dachte wir explodieren gleich

M: du bist mit dem renault 140 gefahren? wie geht das?

Kutmaster Krupa: das geht. vollgas bis zum anschlag

M: da hätte ich angst in der karre

Kutmaster Krupa: mit bergen schafft der bestimmt 160. das hat auch voll vibriert wie sau und einen höllenlärm gemacht. ich dachte echt gleich springt der motor vorne raus auf die strasse

M: fett alter, ich bin stolz auf dich. mein mercedes hab ich schon mal auf 200 gebracht. ging aber bergab

Kutmaster Krupa: aber deiner ist auch solider

M: ja, schwabenkarre, deutscher stahl. unverwüstlich

Kutmaster Krupa: ich hab ja noch ne alte automatik drin. die ständig klackert. beim 3. gang knallt es immer unterm auto 🙂 aber es fährt noch…. und hat nen mp3 player

M: auf dich ist verlass. immer das neuste vom neusten

Kutmaster Krupa: naja

M: mp3 player. puh. so was hab ich net. ich hab blaupunkt, kassette & radio.

Kutmaster Krupa: das neueste wäre n dvd player mit festplatte für mucke. und navi. haha…käme cool in der karre. wäre bestimmt nach 3 tagen ausgebaut 🙂

M: 50 Cent hat das bestimmt im auto

Kutmaster Krupa: im hummer 🙂

M: yeah! der hat neulich in nem interview gemeint, dass es ihn voll ankotzt, dass er jetzt zwei gepanzerte karren hat, aber keiner mehr auf ihn schießt

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SubCulture Editorial / März 2004

Herr Nachtleben

Hallihallo, wer sitzt im Klo, das Nachtleben mit dem Radio. Herr Nachtleben, was machen sie denn so spät nachts auf meiner Toilette?

„Ach wissen sie, bei meinem Alter hilft Granofink auch nicht mehr viel.“

Kein Problem, Herr Nachtleben, lassen sie es laufen. Wie geht es Ihnen sonst so? „Alles gut soweit. Aber man wird eben nicht jünger.“

Das ist richtig. Sie kommen bestimmt auch immer viel herum, oder?

„Klar, man guckt sich schon so einiges an am Wochenende. Passiert ja auch viel in der Stadt.“

Wie, sie sind nur in Stuttgart tätig?

„Na klar, das langt auch. Ausserdem hat jede Stadt ihren eigenen Herrn Nachtleben.“

Ach so. Siiiiiieeeee, Herr Nachtleben, wenn sie schon so gemütlich auf meiner Toilette sitzen, würde ich ihnen gerne mal eine Frage stellen, worüber wir tagsüber öfters mal diskutieren. War früher wirklich alles besser, als sie noch richtig im Saft standen?

„Na ja, früher hab ich halt schon ein paar Drogen mehr gefressen, das hat so einiges an Wahrnehmung verzerrt.“

Und sicherlich auch ab und zu mal den Unterkiefer.

„Ja gut, der ist mir schon lange abgefallen. Ich brauche eigentlich auch keinen.“

Stimmt, sie haben sicherlich eine übelst rattenscharfe Assistentin, die sie mit einem Röhrchen füttert.

„Nee, die Zeiten sind schon lange vorbei. Früher bin ich immer in der Limo mit zwei, drei Bräuten losgezogen und hab den ganzen Clubbesitzern jedes Wochenende erst mal gezeigt, wer in der Stadt das Sagen hat.“

Wie? Sie haben Schutzgeld erpresst? Und ich hab gedacht sie sind ein Guter!

„Bin ich auch! Hab immer gleich reinvestiert in neue Läden! Das ist ja meine Aufgabe. Es muss was gehen.“

Warum sagen dann alle es geht nix?

„Vielleicht ein Trugschluss? Früher musste ich um 5 Clubs kümmern, heute sind es locker mal Minimum 40, die ganzen Bars und Lounges und inklusive, das langt wahrscheinlich gar nicht. Ausserdem, gemotzt wird immer. Allen kann man es nie Recht machen.“

Ich sage auch immer: Man kann nicht alles haben im Leben.

„Das stimmt. Aber ordentlich pimpern würde ich schon mal wieder gern.“

Da fällt mir ein: Warum sind sie eigentlich männlich?

„Weiss ich nicht. Sie nennen mich Herr Nachtleben.“

Ach so, ich kann auch „Frau Nachtleben“ sagen?

„Aber sicher mein Junge.“

Was sollen dann die Frauengeschichten?

„Hallo, meine Aufgabe ist es, mir immer und ständig etwas einfallen zu lassen, dass Ihr wieder etwas zum Schreiben habt. Und ob ich dabei nun ein Mann, eine Frau oder eine Wursttheke bin ist doch egal.“

Bei Ihnen gibt es auch Wurst?

„Ja, aber erst morgen früh wieder.“

Alles klar. Könnt ich jetzt auch mal auf die Toilette?

P.S: To be continued. Irgendwann…

(Anmerkung 2015: Die Fortsetzung steht immer noch aus.)

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SubCulture Editorial / Oktober 2004

Mein Stammclub

Ich war mal recht lange Stammgast in einem Club in Stuttgart. Das ging vor über 9 Jahren los. 18 Jahre alt waren wir, sahen scheiße aus in unserem Mitneunziger Skaterstyle, aber die Türsteher/innen haben uns jeden Samstag herein gewunken. Wenn ich nur daran denke, wie wir rumgelaufen sind, dann hätte ich mich nicht mal „Zum Ochsen“ reingelassen. Und meine Friseur war eigentlich auch shit. Aber mit meinen Haaren hatte ich schon immer so meine Probleme. Vielleicht sind wir aber auch nur reingekommen, weil wir Jungs irgendwie alle so aussahen? Keine Ahnung.

Ich weiß auch z.B. gar nicht mehr, was damals so die Mädels anhatten. Gibt’s eigentlich ein charakteristisches Kleidungsstück für die 90er? Nee, oder? Da müsste man jetzt mal gucken, ob noch jemand ein Fotoalbum von der Zeit hat, weil digitale Kameras besaß gerade mal der amerikanische Geheimdienst, „online“ hatte für viele eine ganz andere Bedeutung und die Spezies Partyshooter ging zur derzeit zum größten Teil wohl noch in die Grundschule.

Aber im Prinzip waren uns die Frauen in unserem Stammclub auch egal. Okay klar, man hat schon mal den Kopf gedreht, wenn eine Schnitte vorbeilief, aber man hatte ja sowieso keine Chance. Weil wir waren wohl mit die Jüngsten in dem Club.

Das Tolle an dem Schuppen war eigentlich, dass dort diese noch recht neue House-Musik lief, damals hauptsächlich produziert von Afroamerikanern. Einmal war Derrick May da. Ich weiß, den kennt ihr jetzt alle nicht, aber der Typ war einfach ein Gott. Das war der einzige Abend, an dem ich in diesem Laden nicht getanzt habe. Ich bin mit offenem Mund wie angewurzelt hinter der DJ-Kanzel gestanden, weil Derrick in einer abartigen Geschwindigkeit die Platten gewechselt hat und zwischendurch akrobatisch die Scheiben auf seinem Finger zwirbeln ließ.

Und es war wirklich ein Wunder, dass ich an dem Abend nicht getanzt habe, weil ich hab eigentlich sonst immer in meinem Stammclub bis morgens nonstop durchgetanzt. Ich konnte nämlich verdammt gut tanzen, denn ich hab den Vibe gespürt. Nicht so wie z.B. diese Gogos heutzutage, die bei ihren Roboter-Moves auch noch so komisch ihre Gesichtsmuskeln verrenken und denken, sie sehen dabei extrem sexy aus. Selbstdarstellung war damals eh ein Fremdwort. Man hatte auch gar keinen Grund sich darzustellen, gab ja niemanden, der photographiert hat. Wir waren irgendwie nur wir selbst und tanzten auf die Musik, die wir am liebsten in einem Club hören mochten.

Heute stehe ich immer nur an der Bar rum und trink halt – neulich mal wieder ein bisschen zu viel in dem Club, der früher mein Stammclub war. Zwei Kumpels von mir haben auflegt, da bin ich dann vor denen hoch aufs DJ-Pult geklettert und hab so ein bissle gefeiert, meine Beine haben sich sogar bewegt. Musste mal sein, bin voll aus mir herausgegangen. Hat aber Gott sei Dank keiner groß gesehen. War mir auch echt peinlich am nächsten Tag.

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Boulevard Theo / LIFT Lost / Found / Fun

Boulevard Theo / LIFT September 2005

Jetzt geht’s los. Da isser, der Fahrradweg. Oder soll es wohl mal werden. Links und rechts vorm größten Jugendhaus Stuttgarts. Guter Schock am Sonntagmittag. Da wollte ich auf der Höhe der Elektrotankstelle/Schaufenster Mitte rechts rüberziehen und ein paar Doppelkennzeichen versägen, auf einmal leuchten vor mir strahlend weiss die jungfräulichen Streifen auf, die nun messerscharf die rechte Spur der Theo abschneiden und mir blitzschnell suggerierten: So nicht mein Freund. Damn. Das gibt nämlich richtig dick Punkte in Flensburg. Nein, Quatsch, Führerschein weg ein Monat lang!

Einen glatzköpfigen Daimler-Coupé Fahrer, entschlossener Stierblick und ganz fresh „Call On Me“ aus der Anlage, hinderte dies aber nicht – er zog die Nummer eiskalt durch. Ich bin mal gespannt, wie viel Radfahrer, Fußgänger, Clubhopper auf Sportmehl und natürlich bis zur Ohnmacht abgefüllte Junggesellenabschiedsgruppen hier in Zukunft drauf gehen werden.

Wobei um Letztere wiederum wäre es auch nicht wirklich schlimm. Also für mich persönlich, auch wenn’s das natürlich schon immer gab, ist das eine der Nachtseuchen des Jahres. So eine willenlose Meute, aus irgendeinem Dorf hergefahren, die davor noch lustige T-Shirts mit Aufdrucken wie „Lebenslänglich“ gemalt hat, zur weiteren Identifizierung des Rudels meistens steile Hüte trägt und nun in den Bars und Clubs die Stimmung im A-Block des Neckarstadions nacheifern muss.

Zu einem soliden Junggesellenabschied gehört natürlich auch, dass man alles was zwei Titten (Stichwort: „schoehdrunga“) hat ordentlich blöd anlabert, weil man ist ja randvoll mit Samen.

Das weibliche Pendant zu der Testosteronholzfällergang ist übrigens auch nicht viel besser. Vielleicht bin ich da ein bisschen versnobt, aber wenn eine Tussi in einem Club mit ihrem Brautkleid, Krönchen auf dem Kopf und 10 gackernden „Brautjungfern“ antanzt, dann fühl ich mich dadurch einfach massiv gestört. Die wollen dann auch immer, das man „mitmacht“. Bei was? Stimmung? Ihre Süßigkeiten, die sie an jeden verteilen, kann ich mir um Mitternacht einfach nicht reindonnern. Und dann ist die Braut ganz schön sauer.

Aber das ist mir gerade egal, weil die Gute ist eh schon vergeben. Lebenslänglich.

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Boulevard Theo / LIFT November 2005

Gimme a punchline: Da würde sich der Theo glatt im Grab umdrehen, meine Nachbarin steht auf Oriental-House und Lil´ Kim ist eine geile Sau. Das war ein Einstieg auf dem Niveau von gängigem Deutsch-Rap, folglich würde ich aber mit dieser Line garantiert in den Top Ten landen. Obwohl, war schon fast ein bisschen zu Autoren-lastig.

Jetzt die Intellektuellenvariante: Ich hatte gerade beim Duschen eine Vision. Dezember 2005. Am Wochenende vor Weihnachten fällt 50cm Neuschnee. Nichts geht mehr. In Windeseile wird auf dem Amüsierghetto eine Flutlichtanlage installiert und vom Rotebühlplatz bis zur Friedrichstraße der erste Schlepplift der Welt auf einer waagrechten Ebene gebaut. Alle Bars holen schnell noch mal ihre Außentheke aus dem Keller und verzieren die mit soviel weihnachtlicher Lichtdekoration, dass in Neckarwestheim eine Schippe Plutonium extra ins Rohr geschoben werden muss. Zu guter Letzt werden die einzelnen Musikanlagen der Locations zusammengeschlossen und 10.000 Leute grölen lauthals „Wei M Sie Ey“.

Was? Das ist völlig far out, absolut unrealistisch und steht vor allem style-mässig in keiner Relation? Also bitte! Das passt ja wohl zur Strasse wie die abgewetzte rote Lederjacke mit dickem „Lions“-Aufdruck zu dem Schnurrbartträger aus der Muckibude. Mir ist im Club schon mal ans Hosenbein gepinkelt worden, das ist vielleicht far out, aber sogar das passiert heutzutage. „Bin ausgerutscht“ meinte er. Ich stand im 90 Grad Winkel zu ihm. Wo leben wir denn? Wären nicht seine Kumpels aus Raitelsberg, Hallschlag, Zuffenhausen oder aus irgendeinem anderen Klischeeviertel dabei gewesen, hätte ich mich zum ersten mal in meinem Leben geklopft. Oder doch nicht, denn das ist nicht ganz mein Lifestyle.

Lifestyle-Faschismus war übrigens das Wort des vergangenen Wochenendes. Die Freundin von meinem Mitbewohner meint, dass wir dauernd irgendwelchen Zwängen unterliegen, die unser Leben nur scheinbar schöner machen. Aber warum auch nicht, oder? Deswegen an dieser Stelle schnell noch die Lifestyle-Prognose für den kommenden Stuttgarter Winter: erst im Domina-Studio anstrullern lassen und danach wahlweise in Gummiboots oder Stiletto-Stiefel (Hose reinstopfen natürlich) auf dem Snowboard oder Skiern zur größten Apres-Ski-Party der Welt donnern. Hip?

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SubCulture Editorial Mai 2008

Nicht nur Kahn der Titan hat einen Philosophiekurs für Anfänger belegt, wie der aufmerksame Verfolger des bayrischen Ensembles rund um den altersmilden Grobian im Laufe der Saison bemerkt haben dürfte. Neulich bin in einem Club von einer betrunkenen Berufsbekanntschaft abgefangen worden. „Ich möchte dir eine Frage stellen: Um was geht es im Leben?“

Oh Shit. Zuerst bin ich an meinem Wodka erstickt, dann rückwärts die Treppen runter.

Sicherlich eine Frage, die man immer wieder stellen kann, abends in urigen Stadtteilkneipen mit viel dunklem Holz, nach dem dritten Bier, vorausgesetzt man trinkt Bier, ist 18, geht aufs Gymnasium, will die Klassendiva flachlegen oder hegt Zweifel am Sinn des Doppeleinkommens seiner Arzteltern, am Cannstatter Wasen sowieso, wo die Altersgenossen herumlungern, und rutscht so mir nichts dir nichts in seine erste melancholische wie qualvolle Selbstfindungskrise. Liebe Abiturenten, es wird alles nur schlimmer. Aber leichter macht man es sich, wenn man über so einen Käse erst gar nicht nachdenkt.

Neulich bei meinem Opa, 81, zack, weg, hab mir zwar auch kurz überlegt, du Armer, als junger Kerl Heimatvertriebener, in Deutschland als Maurer angefangen, Haus mit eigenen Händen gebaut, dann Maschine, dann Rente, dann schwer krank, aus die Maus, da bleibt von außen betrachtet unter dem Strich mehr Leid als Glück.

Auch wenn ich trotzdem stark vermute, dass Opi mit sich seinen Frieden gemacht hat – seine liebste Zeit im Jahr war der Herbst, da hat er seinen eigenen Wein gekeltert und mir mal alles darüber erklärt – hab ich seit langen Mal wieder kurz sinniert und reflektiert, aber schon wieder während der Zeremonie das Christentum einmal weniger verstanden. Die Erlösung, die letzte Reise, ab geht’s nach oben, juhu, endlich und so weiter, also dann doch lieber der dumpfe Alltag mit all seinen Problemchen.

Vorausgesetzt man wird aus dieser Dumpfheit nicht unsanft geweckt, wie ich an diesem Abend von diesem Mensch, just ein Tag nach der Beerdigung. Nur blöd, dass mir in solchen Situationen, die allein für mein geschundenes Gehör sehr schnell anstrengend werden können, die nötige Schlagfertigkeit fehlt und ich dann meist irgendeinen Krampf rausbröckel.

Im Nachhinein wären mehrere Antworten logisch gewesen und hätten den Hobbyphilosoph wahrscheinlich ruhig gestellt: A) die christliche Variante, dass man in den Himmel kommt, b) die Til Schweiger-Lösung, dass man einmal das Meer sieht, c) mein Ziel, ein gemeinsames Foto mit Jay-Z und Beyoncé auf ihrer Hochzeit und d) geh mir nich aufn Sack.

Aber was sag ich? „Dass man sein Ding macht.“

Wow. Das hätte sogar Thomas Doll (Bundesliga-Trainer, ebenfalls permanent auf Sinnsuche) mit dem seinem besten traurigen Hundeblick aus seinem großen Traurigen-Hundeblick-Repertoire eleganter gelöst.

Ich muss unbedingt an meinem Killerinstinkt arbeiten, der Abschluss muss besser sitzen, spontane, blitzgescheite Antworten, die starkes Selbstbewusstsein demonstrieren. Ging letzten Samstag schon wieder schief. Ein befreundeter Barmann überfordert mich folgendermaßen: „Wenn man Kappen trägt, bekommt man früher Haarausfall!“ Äh, ja, hm, aber trag nur am Wochenende eine. Mein Kopf fühlte sich in diesem Moment an, als wäre aus meinen Geheimratsecken eine riesige Glatze mutiert.