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Hochzeitsrede für Sil & Emil

Am 17. Juli 2015 hat mein Ex-Nachbar und ewiges DJ-Vorbild Emil aka DJ Emilio seine Sil geheiratet und ich durfte sein Trauzeuge sein. Das Trauzeugen-Dasein brachte zwei Aufgaben mit sich: Den JGA organisieren (feinste schwäbische Präzisionsarbeit war das, sag ich euch!) und eine Rede gemeinsam mit Trauzeugin Janja entwerfen. Here it is.

Liebe Sil, lieber Emil, liebe Freunde,

wir möchten uns bei euch beiden für euer Vertrauen bedanken, dass ihr uns als Trauzeugin und Trauzeugen geschenkt habt. Es ist uns wirklich eine sehr große Ehre und Freude, genauso wie nun an euch ein paar Worte richten zu dürfen.

Frühe Jahre

Viele Freundschaften, sowie auch Beziehungen, in diesem Raum haben ihre Wurzeln im Nachtleben. Wir wissen alle, in der Nacht poppen immer wieder temporär Menschen auf. Man sieht sie eine Zeit lang und dann verschwinden sie wieder – was zugegeben in manchen Fällen auch absolut gut so ist. Aber manchmal ergeben sich im Nachtleben langfristige Freundschaften sowie –wie im Fall von euch – eine Verbindung fürs Leben. Nämlich die Ehe.

Für Janja und mich, lieber Emil, warst du schon immer da. Du warst unser DJ im 0711 Club, warst und bist ein echter Charakter, eine Stuttgarter Ikone, außerdem warst du mein Plattenhändler und später sogar für viele Jahre mein Nachbar im Stuttgarter Westen. Wegen mir kamst raus aus der Tübingerstraße, dafür hattest du eben mich unten drunter an der Backe, einer, der einfach nur gerne mit dir Fußball gucken wollte. Dabei mussten wir nie viel reden, um uns zu verstehen. Wenn, dann ging es meistens um Musik und ums Auflegen. Und irgendwie ziemlich ziemlich selten um Frauen. Das haben wir beide – überwiegend – mit uns selbst ausgetragen.

Janja über Sil

Du, liebe Sil, warst für mich zunächst eine virtuelle Fremde, die ich tatsächlich noch über MySpace kennenlernte. Im Jahr 2007 fragte mich eines Tages eine Sil an, die mir mit ihren Yugo-Betrugo-Sprüchen auf den MySpace-Seiten von diversen Freunde und Bekannten begegnete und dabei sehr imponierte. Wie sich bei unseren regen Chats herausstellte, hielten wir uns an denselben Orten auf – hatten uns aber noch nie gesehen! Deswegen beschlossen wir uns zu treffen.

Aufregung: mein 1. Blinddate und das auch noch mit einer Frau! UNSER Datum ist übrigens der 8.3.2007, also der Weltfrauentag. Einfach deswegen, weil beide uns nicht mehr sicher sind und immer wieder versuchen zu eruieren, wann genau unser Blinddate war. Und der Weltfrauentag ist sicherlich kein schlechtes Datum, für den Beginn einer neuen Freundschaft.

Liebe Sil, 2007 war für mich ein sehr schweres Jahr. Für deine Begleitung und Unterstützung, dein Ohr, vor allem, weil wir uns zu dieser Zeit kaum kannten, bin ich dir unendlich dankbar. Zu dieser Zeit entwickeltest du dich zu meiner Seka (Schwester). Unsere “Kaffeepausen” im Waranga, Ausflüge in die Corsobar, Fotosessions mit Weichfilter, wecken bis heute gemeinsame Erinnerungen, wenn auch oft nur als Puzzleteile, vieles ist verschwommen. Warum, ist mir ein Rätsel.

Bei unseren Touren liefen wir immer wieder Emil & Ram wieder über deren Arbeitsweg. Zunächst auf rein freundschaftlicher tanzender Basis.

Emil und die Frauen

Woran ich mich wiederum nur eher dunkel erinnern kann. Ich weiß ich wiederum noch sehr genau, dass ich als guter Nachbar lernte, immer genügend Brot daheim zu haben und dass man aber auch wirklich JEDEN Sport in der Glotze schauen kann. Egal wie langweilig dieser auch sein mag. Dafür gabst du mir den Feinschliff als DJ. Wir rockten Coldplay im Romy S. und wir trauerten gemeinsam um Michael Jackson während unseres Gigs im Tonstudio. Das sind für mich Momente für die Ewigkeit.

In anderen Momenten fragten wir uns, deine Freunde, was ist eigentlich beim Emil und den Frauen los? Was geht da? Beziehungsweise: Warum geht da nichts? Am Angebot hat es nicht gemangelt. Sie standen reihenweise ums DJ Pult, und liebe Sil, sie standen wirklich nicht wegen mir da. Erst später dann die eine, und die ist heute Gott sei Dank auch anwesend. Und liebe Sil, auch das möchte ich dir sagen, er hat nie eine mitgenommen! Er hat sich stets für mich entschieden. Gemeinsam gingen wir nach Hause.

Die eine oder andere Verkupplungsaktion wurde gestartet, wie zum Beispiel lancierte Dinners. Geholfen hat alles nichts. Und wenn es Emil richtig wissen wollte und er auf Angriffsmodus schaltete, hat er stets zart seinen Arm auf die Schulter des weibliche Zielobjekts gelegt. So war der Running-Gag zwischen Bams und mir irgendwann: „Er hat seinen Arm um sie gelegt.“ „Ah, isser rangegangen?!“

Hat er damals seinen Arm auch um deine Schulter gelegt, Sil?

 Janja und wie sie zusammenkamen

Ich zumindest habe das anfangs nicht beobachten können, dass mein Bato (zu Deutsch mein Bruder), der Emil, seinen Arm ausgefahren hat. Gut verstanden habt ihr euch jedoch gleich. Die Liebe auf den ersten Blick schien es aber nicht zu sein. Weil ein DJ als Freund nicht auf deiner Agenda stand. Ein fürsorglicher seriöser Normalo, ein Nine-To-Five-Jobler entsprachen zu dieser Zeit deinen Vorstellungen von einem Mann für die gemeinsame Zukunft.

Vorerst kamt ihr euch über Chats und regelmäßigen Besuche bei Emils DJ-Jobs näher. Bald darauf ging es schon unseren Telefonaten über eigenartige, seltsame Copy & Paste-Liebesbriefe und deine Verwirrtheit über Aussagen zwischen den Zeilen. Emil kopierte tatsächlich Liebesbriefe, die er im Internet fand, in das Chat-Fenster rein. Emils Humor war dir zu dieser Zeit noch nicht so geläufig. Wobei ich zugestehen muss, war er mir auf dieser Ebene ebenso nicht. Somit waren wir zwei einfachhalber gemeinsam verwirrt.

Martin

Unten habe ich von dieser Annäherung natürlich nicht viel mitbekommen. Emil meinte nur mal lapidar: „Ich chatte gerade immer mit dieser Sil.“ Und er hat mir die Geschichte von den kopierten Liebesbriefen erzählt. Ich fand das natürlich ziemlich lustig. Genau mein Humor.

Finally: Irgendwann waren die zwei halt zusammen. Und es war schlicht und einfach eine Sensation. Wenn es in den Nullerjahren zwei gute Nachrichten aus Stuttgart gab, dann waren es zum einen die VfB-Meisterschaft im Jahr 2007 und zum anderen, dass Emil endlich eine Freundin hat.

Janja über die beiden

Dass wir heute hier sind, liegt an euren starken Charakteren, die sich anziehen. Emils Humor ist einzigartig. Er bringt dich, liebe Seka, zum Lachen, sowie mit seiner in-der-Ruhe-liegt-die-Kraft-Art öfters mal zur Weißglut. Sein Talent für kreative und raffinierte Taten sind legendär. Wer sonst macht Heiratsanträge mit Kochlöffeln? Nicht nur sein Zeichen der Liebe, sondern auch für deine grandiosen Kochkünste.

Wenn deine Nerven blank liegen, Du ausflippen könntest oder wie ein Schlosshund heulen, weiß Emil, wie er dich aufmuntern kann. Er weiß, dass dein Herz ihm gehört.

Emil ist der spannendste Mensch, den du kennst. Einer, der dich inspiriert und dich immer wieder mit neuen Dingen überrascht. Auch finde ich bemerkenswert, wie du Emil aus der dunklen “Vinyl”-Westwohnung zum professionellen Landschaftsgärtner mutieren hast lassen.

Sil versprüht Lebensenergie und positive Stimmung. Sie ist da, wenn du sie braucht. Sie signalisiert dir, lieber Emil, dass Du der wichtigste Mensch in ihrem Leben bist, ohne den sie nicht leben möchte. Sie fängt dich auf, wenn Du fällst. Und ein ganz wesentlicher Punkt: Ihre Lieblingsmusik nicht die ist, die im Radio und Großraumdiscotheken gespielt wird. Dafür sitzt ihr Geldbeutel manchmal etwas zu locker. Wem sage ich das. Die früheren Shoppingtouren mit versteckten Shoppingtüten hast du ihr erfolgreich wegtherapiert.

Sil ist die Frau für alle, aber wirklich, alle Fälle. Der erste große Liebesbeweis war, als sie zu dir von der sonnenerleuchteten Killesberg-Wohnung in die Single-Männer-Westside-Butze gezogen ist.

Zusammengezogen, Obertürkheim

Für mich unten drunter war amüsant, die Verwandlung von DEM Prototypen des ewigen Junggesellen, süchtig nach dem Sportkanal, in den etwas häuslicheren Pärchen-Emil zu erleben. Sil hat – dem gängigen Frauenklischee entsprechend – die besagte Westside-Wohnung kurzerhand neu durch konzipiert. Und Sil hat das – natürlich – sehr, sehr toll und perfekt gemacht, wie alles, was sie tut. Nur: Viel von Emil war da danach nicht mehr zu sehen, außer vielleicht die Eulen an der Wand.

Prinzipiell fand ich es aber erfreulich, dass der Fliesentisch im Wohnzimmer verschwunden ist. Weil lieber Nachbar, und du bist ein Mann des guten Geschmacks und dafür muss man wirklich nicht Tine Wittler heißen: Ein Fliesentisch ist ein absolutes No-Go wie Helene Fischer im DJ-Set. Als ich dann aber nach Sils Einzug mit großem Schrecken erstmals dieses eigenartige Deko-Schiffchen auf dem Spülkasten der Toilette entdeckte, dachte ich mir: Oh Nachbar, ob das gut alles geht?

Ob das gut geht, dachte mir dann noch einmal, als ihr wirklich meintet, nach Obertürkheim ziehen zu müssen. Du, der Junge aus der Westside wird Obertürke. Anfangs fiel es mir schwer, das zu glauben. Aber ich sehe es dir an, du hast alles richtig gemacht. Und das liegt nicht allein an dem heutigem Überfluss an Tageslicht, das liegt mehr daran, dass du diesen Weg mit der Frau gegangen bist, die immer genau weiss, was ein Emil braucht und was gut für dich ist. Anders gesagt: Du hast die Frau gefunden, die wir uns alle für dich immer gewünscht haben.

Janja: Wir wissen also heute, dass es gut gegangen ist, sonst wir wären wir auch nicht hier. Und das ist gut so, dass wir heute hier sind, auf dieser wundervollen Hochzeit zweier toller Menschen, die wir allesam unendlich mögen, schätzen und gar lieben.

Martin: Deswegen sagen wir abschließend: Wenn eine Frau einem Mann, der DJ ist, ins proTON hinterherrennt, dann sagen wir: Diese Frau MUSS man einfach heiraten und sollte sie bis in alle Ewigkeiten lieben und verehren!

Wir wünschen Euch für die gemeinsame, ewige Zukunft alles, alles Gute.

Auf die Liebe!

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