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Über Kessel.TV & Lokalpatriotismus

Aufgetaucht Part 2: Der Text über Lokalpatriotismus vom Herbst 2017 basiert auf unterem Interview, das ich Stadtkind über meinen Blog und Stuttgart gegeben habe. Wir haben uns damals entschieden, die Antworten als kurzes “Essay” umzuschreiben und zu veröffentlichen.


Was war damals deine Idee hinter kessel.tv?

Ich habe acht Jahre als Redaktionsleiter bei dem Stadtmagazin Sub Culture gearbeitet und dort Mitte der Nullerjahre das Internet als Publikationsmöglichkeit für mich entdeckt. Nur war die Sub Culture-HP, wie so viele Seiten damals, sehr unübersichtlich und das CMS dahinte umständlich und nervenaufreibend.

Parallel zu dieser Zeit poppten die ersten Blogs auf. Spannend fand ich daran zum einen die Einfachheit und schlanke Struktur, sowie dass der aktuellste Beitrag oben angezeigt wird.

Letztendlich wollte ich wenigstens einmal Leben mein ganz eigenes Ding starten, bei dem mir niemand “reinschwätzt” und ein Blog war und ist eine sehr einfache Möglichkeit das zu tun. Zumindest das Ding zu starten, am Ball bleiben ist dann doch, ja, Arbeit.

2008 fand ich nach einem Research, dass ein Stuttgart-Blog fehlt, zumindest so wie ich mir einen Blog vorstelle, wie ich diese Stadt sehe, kenne und liebe. Ein Blog, der sich mit Stuttgart auseinandersetzt, was ich gut finde an Stuttgart und seinen Protagonisten (aber auch nicht so gut) und Blog, der vor allem zeigt, dass Stuttgart viel, viel mehr ist als das unendlich durchgeleiherte Klischeebild von Weindorf, Wasen, Kehrwoche, Sparsamkeit und Fernsehturm.

Der URL-Name ist meine Idee und das .TV soll früher wie heute drauf hinweisen, dass es auch „trashig“ zu gehen kann, als wie im TV eben. Seit 4. Juli 2008 sind wir online. 

Warum glaubst du, dass viele sich mit Stuttgart nicht so identifizieren, bzw. der Lokalpatriotismus hier nicht so ausgeprägt ist wie in München oder Köln?

Ich kann keinen Vergleich ziehen, weil ich nicht weiß, wie ausgeprägt der Lokalpatriotismus in anderen (deutschen) Städten ist. Ich finde aber, dass er in Stuttgart sehr ausgeprägt ist und das schon relativ lange. Für meine Generation wurde er spätestens ganz offensichtlich mit dem Song „Mutterstadt“ von Massive Töne.

Meine Wahrnehmung im Jahr 2017 ist sogar: Es ist Lokalpatriotismus-Peaktime. Es ist ja fast schon eine Art Geschäftsmodell, Stuttgart geil zu finden, siehe nur das Stuttgart-Panini-Album, das sich angeblich sehr gut verkauft, oder Dinge wie „Stuggi-Schorle“ oder vergangenes Wochenende die Messe „Made in Stuggi“.

Ganz zu schwiegen von den unzähligen Stuttgart-Instagram-Seiten, die sich damit überbieten, ein starkes Bild nach dem anderen zu posten. Dazu hagelt es unzählig passenden Kommentare, wie sehr man das Stuttgart alles liebt. Ich habe das Gefühl, auch verstärkt durch Social Media, dass die Liebe zur Stadt nie breiter und größer proklamiert wurde als heutzutage.

Alles in allem glaube ich aber, dass die Stuttgarter schon immer ganz gerne ihre Stadt mochten und auch stolz auf ihre Stadt waren, es aber eventuell vielleicht nur weniger zeigten bzw. in die Welt rausschrieen als heute. Erkennt man an alten Stuttgart-Bücher und den Texten darin (aus 70er, 80er Jahren, hab da das eine oder andere) oder an älteren Liedern wie „In Heslach fängt die Liebe an“ (finds leider ums Verrecken nicht auf Youtube oder sonst wo).

Vielleicht kommt der Stuttgarter Lokalpatriotismus manchmal einfach nicht immer so gut durch, weil Stuttgart seit jeher viel Negatives über sich ergehen lassen musste bzw. schon immer mit vielen Klischees zu kämpfen hatte – gefühlt mehr, als andere Städte. So Dinge wie Kehrwoche, Ordnung, Geiz und sowieso allgemein das Bild vom angeblich „langweiligen Schwaben“ haben sich scheinbar sehr sehr tief ins deutsche Hirn gebrannt.

Aber klar, bei München ist mein erster Gedanke auch „Schickimicki“-Stadt, was per se nicht stimmt und München (natürlich) viel mehr ist als nur dieses eine Klischee. Aber wie bei so vielen Dingen im Leben muss man sich einfach selbst ein Bild machen. Und so kenne ich viele Leute, die nach Stuttgart gezogen sind, vielleicht erst widerwillig und jetzt nie wieder weg möchten. Natürlich kenne ich auch welche, die regelrecht Hals über Kopf geflüchtet sind und es hier einfach nicht mehr ausgehalten haben, weil es ihnen hier zu klein, zu eng, zu dörflich oder was auch immer ist. Da hat eben jeder eine andere, eigene Wahrnehmung.

Ich meine, so geil ist z.B. Köln jetzt auch nicht, hahaha, und mal ehrlich, wer will schon nach Hannover oder Dortmund? 

Ist Stuttgart für dich selbst Heimat? (Kommst du gebürtig aus Stuttgart?)

Ja. Nie zugezogen und nie weggezogen.

Was ist an Stuttgart trotzdem cool, gut, toll? Und was gar nicht?

Ein „trotzdem“ gibt`s für mich nicht, weil ich gar nicht weiß, gegen was ich trotzen und nicht cool finden soll, hihi. Okay, zunächst einmal ist für mich in Stuttgart natürlich alles cool und toll, weil ich hier eben Zuhause bin und ich mich hier seit 40 Jahren sehr wohl fühle und die Stadt regelrecht genieße und lebe, ich treffe immer Leute, kurzer Checkup was geht, Kaffee hier und dort usw. I love it. 

Zudem hat sich die Stadt gerade in letzten 15, 20 Jahren wahnsinnig verändert – zum Positiven. Sehr zum Positiven. Viele gute Leute machen viele gute Dinge. Das Fluxus ist nur DAS Paradebeispiel, dass man toten Raum beleben kann. Oder nimm den Hans im Glück-Brunnen, ein lauer Frühlings-Sommertag, Montag, Dienstag, egal… alle Gastros voll besetzt.

Die Stuttgarter/Schwaben waren schon immer Lebe- und Genussmenschen, aber zwischenzeitlich hat er noch mehr Möglichkeiten, das auszuleben. Und er/sie/es tun es.

Allein die ganze Club-Bar-Gastro-Szene ist kein Vergleich zu vor 15, 20 Jahren. Es wird ja aktuell quasi im Wochentakt über irgendeine Neueröffnung berichtet. Als ich vor 20 Jahren ausgegangen bin, hatten wir zwei, drei Optionen, wenn überhaupt. 

Auf der anderen Seite sehe ich natürlich die großen Probleme der Stadt, die in den letzten Jahren hinzugekommen sind bzw. zugenommen haben und das sind aktuell eben die oft zitierten Themen Mobilität, Verkehr sowie die Mieten. Ich hoffe, dass wir uns da halbwegs heil raus manövrieren, bevor das alles hier eskaliert und wir gar nicht mehr voran kommen und auf der Straße, blöd gesagt, die Köpfe einschlagen. Da ist nicht nur allein die Politik gefragt, sondern definitiv jeder selbst.

Radfahren geht in Stuttgart. Die Stadtbahn funktioniert. Man muss manchmal halt auch nur wollen.

Außerdem hat man das Gefühl, und das jetzt schon seit mehreren Jahrzehnten, dass die Stadt nie „fertig“ wird. Mal ganz abgesehen davon, dass eine Großstadt wie Stuttgart nie fertig sein wird und sich immer weiter entwickelt MUSS – sonst würden wir heute noch mit Autos durch die Königstraße fahren und das will sicherlich auch niemand mehr. Nur eines vielen Beispielen.

Die Frage ist nur wie und in welchem Maß. Im beengten Stuttgart fühlt sich das so an: Ist die eine große Baustelle weg (wie z.B. Dorotheen Quartier), wird die nächste Wunde aufgerissen (nächstes Jahr z.B. Fluxus / Stadtmitte). Abgesehen davon, dass die Stadt ja so ganz nebenbei den Bau des berühmtesten Bahnhofs der Welt verkraften muss.

Vieles davon macht sicherlich Sinn und ist berechtigt, aber als Bürger ist man zu einem gewissen Grad erschöpft. Ich wünsche mir sehr, wenn irgendwann besagter Bahnhof und das neue Areal dazu fertig sein sollten, dass Stuttgart dann – wenigstens für einige wenige Jahre – wirklich mal „fertig“ ist. 

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Über den Stuttgarter Lokalpatriotimus für Stadtkind

Wieder ausgegraben: Im Herbst 2017 habe ich für Stadtkind Stuttgart das Phänomen Lokalpatriotismus analysiert, der in Stuttgart traditionell sehr ausgeprägt ist (wie auch bei mir).


In einer Welt, die scheinbar oft nur noch in Gefühlen und Gefühlslagen vermessen wird, ist der Lokalpatriotismus in Stuttgart gefühlt so stark wie nie zuvor. Dabei hatte Stuttgart Lokalpatriotismus schon immer ganz gut drauf. 

Vielleicht auch weil der klischeebehaftete Anti-Stuttgart-Wind seit jeher stark durch die restliche Republik bläst (und, wieder gefühlt, erst in den letzten Jahren etwas abnimmt). Da muss man dann halt auch mal aufstehen und sich dagegen stemmen, vor allem wenn man hier sehr gerne lebt. Meine Generation hält spätestens seit Mitte der 90er mit dem Song „Mutterstadt“ von Massive Töne die Stuttgart-Fahne hoch. Und wenn morgens beim letzten Song „1st Liebe“ von Max Herre der ganze Club mitsingt, dann weißt du wieder: Des isch halt des. Stuttgart.

Diese einzigartigen „Mutterstadt“-Zeilen, an die seitdem nie wieder ein anderer Stuttgart-Song rankam, sind nun 20 Jahre alt oder jung. Gut zehn Jahre nach der Veröffentlichung starteten Thorsten Weh und ich im Juli 2008 einen der damals ersten Stuttgart-Blogs namens Kessel.TV. Die Idee einst wie heute: Kessel.TV sollte die Stadt so wiedergeben, wie wir diese Stadt sehen, kennen und vor allem lieben. Auf dem lokalen Online-Korridor war es damals noch relativ einsam, fast noch dunkel. Zu jener Zeit war das iPhone gerade ein Jahr lang auf dem Markt, die Video-Qualität auf Youtube relativ mies, Facebook schlug ganz vorsichtig in Deutschland auf und Instagram war noch nicht einmal eine Idee.

Weitere zehn Jahre später, im Jahr 2017, ist die digitale Straße namens Stuttgart-Liebe dicht besiedelt, siehe nur die vielen Facebook-Seiten oder die unzähligen Stuttgart Instagram-Accounts, die ein starkes Bild nach dem anderen posten. Machen wir bei Kessel.TV auch gerne mit. Und auch beim dreimillionsten Schlossplatz-Fernsehturm-Kessel-View-Shot hagelt es Likes en Masse. Bald ist ja auch wieder Weihnachtsmarkt. Insta-Erfinder Kevin Systrom fällt bestimmt vor lauter Vorfreude von seinem Rennrad, das er so gerne fährt.

Dazu bringen die User in unzähligen Kommentaren („ach Stuttgart“, „unser Stuggi“, „KESSELLIEBE!!!11!!!!“) und versehen mit vielen Herzle-Augen-Emojis ihre Heimatliebe zum Ausdruck. Verstärkt durch Social Media wurde die Liebe zu Stuttgart nie breiter und größer proklamiert als heutzutage. Und sowieso: Bildergalerien mit alten Stuttgart-Bildern gehen immer und überall.

Nicht nur aus den Smartphones sprudelt eine warme Stuttgart-Zuneigung, auch im Real Life ist Lokalpatriotismus-Peaktime. Und der Hype ist für manch einen sicherlich ein ganz gutes Geschäft (das gilt natürlich ebenso für online), siehe z.B. das Stuttgart-Panini-Album, das sich scheinbar besser verkauft als die tägliche Auslage beim Bäcker Frank, oder die Bücher der Facebook-Seite „Unnützes Stuttgart Wissen“, die mir auch schon meine Mutter unter den Weihnachtsbaum gelegt hat. Ihr Gedanke: „Etwas mit Stuttgart gefällt ihm bestimmt“. Ja, das ist richtig, meistens. Das Panini-Album brauche ich allerdings nicht, danke.

Manche Produkte benutzen zwischenzeitlich stolz die mir schwer suspekte Stuttgart-Abkürzung „Stuggi“ („Stuggi Burger“, „Stuggi Schorle“, Weißwürste namens „Stuggis“), was vor einem Jahrzehnt noch undenkbar gewesen wäre. Messen für lokale Aussteller wie die „Made in Stuggi“ werden die Türen eingerannt und in der ganzen Stadt sind die Beutel und Sticker mit dem Aufdruck „Make Königstraße great again“ des temporären Kaufhaus Mitte zu sehen. Keine Frage, Dr. Love spreadet eine Liebeserklärung nach der anderen über „Stuttgarts Hügeln in die Welt“.

Passend zum Lokalpatriotismus-Boom boomen bekanntlich seit Jahren alles wo „Stuttgart-Krimi“ drauf steht. Das Stuttgart-Abteil beim Wittwer platzt eh bald. Die Klamotten mit lokalen Liebesbotschaften bekommt man in Läden wie z.B. dem S-T-G-T / 0711 Store. Das ist schwäbisch-präzis organisiertes Open Source-Stadtmarketing. Bei der Stuttgart-Marketing GmbH macht man gerade wahrscheinlich jeden Tag ein Faß auf, eines aus der Tübingerstraße natürlich, weil es läuft ja alles von alleine. Kleines Scherzchen.

Passend zu diesen Zeiten setzen jetzt auch noch der VfB Stuttgart gemeinsam mit dem Kreativnetzwerk 0711, die quasi den modernen Lokalpatriotismus vor über 20 Jahren erfunden haben, die nächste Benchmark: Ab kommenden Dienstag, 7. November (12:00 Uhr) kann man im Popup-Store am Rotebühlplatz 20a die limitierte Kooperations-Kollektion „Wir sind Stuttgarter“ erwerben, darunter das VfB X 0711 Stadttrikot. Eine derartige Liaison aus Profifußballverein und Profikreativen im Zeichen der Heimatliebe ist bis dato nicht bekannt. Mehr geht nicht. Erst einmal nicht zumindest nicht.

Hinter dieser rosaroten Stuttgart-Brille und tausenden Bärenseen und Santiago De Chile-Plätzen im Bauch muss natürlich gerechterweise noch anmerken: Diese Liebesgefühle stellen sich natürlich längst nicht bei allen Menschen ein. Der Unmut über die Stadt, und sei es nur die Aussage, wie hässlich die Stuttgart denn ist (what?!!?!), hat sich die letzten Jahre ebenso gut konserviert wie Herzleaugen-Emojis unter Kessel-Bilder.

Ist natürlich auch nicht immer alles geil hier, ganz im Gegenteil. Jede Großstadt hat ihre eigenen großen wie kleinen Probleme. In Stuttgart erscheinen sie oftmals ein klein wenig größer. Die Frage ist nur, was man daraus macht: Tagein tagaus schimpfen oder trotzdem seine Liebe zeigen? Letzteres scheint aktuell der Zeitgeist zu sein. Auch wenn mir davon nicht alles gefällt: Mir gefällt das. Und wie meinte neulich erst das Blog European Coffee Trip zu den Stuttgarter: „When the sun is out, so are the people!“ 

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Hochzeitsrede für Sil & Emil

Am 17. Juli 2015 hat mein Ex-Nachbar und ewiges DJ-Vorbild Emil aka DJ Emilio seine Sil geheiratet und ich durfte sein Trauzeuge sein. Das Trauzeugen-Dasein brachte zwei Aufgaben mit sich: Den JGA organisieren (feinste schwäbische Präzisionsarbeit war das, sag ich euch!) und eine Rede gemeinsam mit Trauzeugin Janja entwerfen. Here it is.

Liebe Sil, lieber Emil, liebe Freunde,

wir möchten uns bei euch beiden für euer Vertrauen bedanken, dass ihr uns als Trauzeugin und Trauzeugen geschenkt habt. Es ist uns wirklich eine sehr große Ehre und Freude, genauso wie nun an euch ein paar Worte richten zu dürfen.

Frühe Jahre

Viele Freundschaften, sowie auch Beziehungen, in diesem Raum haben ihre Wurzeln im Nachtleben. Wir wissen alle, in der Nacht poppen immer wieder temporär Menschen auf. Man sieht sie eine Zeit lang und dann verschwinden sie wieder – was zugegeben in manchen Fällen auch absolut gut so ist. Aber manchmal ergeben sich im Nachtleben langfristige Freundschaften sowie –wie im Fall von euch – eine Verbindung fürs Leben. Nämlich die Ehe.

Für Janja und mich, lieber Emil, warst du schon immer da. Du warst unser DJ im 0711 Club, warst und bist ein echter Charakter, eine Stuttgarter Ikone, außerdem warst du mein Plattenhändler und später sogar für viele Jahre mein Nachbar im Stuttgarter Westen. Wegen mir kamst raus aus der Tübingerstraße, dafür hattest du eben mich unten drunter an der Backe, einer, der einfach nur gerne mit dir Fußball gucken wollte. Dabei mussten wir nie viel reden, um uns zu verstehen. Wenn, dann ging es meistens um Musik und ums Auflegen. Und irgendwie ziemlich ziemlich selten um Frauen. Das haben wir beide – überwiegend – mit uns selbst ausgetragen.

Janja über Sil

Du, liebe Sil, warst für mich zunächst eine virtuelle Fremde, die ich tatsächlich noch über MySpace kennenlernte. Im Jahr 2007 fragte mich eines Tages eine Sil an, die mir mit ihren Yugo-Betrugo-Sprüchen auf den MySpace-Seiten von diversen Freunde und Bekannten begegnete und dabei sehr imponierte. Wie sich bei unseren regen Chats herausstellte, hielten wir uns an denselben Orten auf – hatten uns aber noch nie gesehen! Deswegen beschlossen wir uns zu treffen.

Aufregung: mein 1. Blinddate und das auch noch mit einer Frau! UNSER Datum ist übrigens der 8.3.2007, also der Weltfrauentag. Einfach deswegen, weil beide uns nicht mehr sicher sind und immer wieder versuchen zu eruieren, wann genau unser Blinddate war. Und der Weltfrauentag ist sicherlich kein schlechtes Datum, für den Beginn einer neuen Freundschaft.

Liebe Sil, 2007 war für mich ein sehr schweres Jahr. Für deine Begleitung und Unterstützung, dein Ohr, vor allem, weil wir uns zu dieser Zeit kaum kannten, bin ich dir unendlich dankbar. Zu dieser Zeit entwickeltest du dich zu meiner Seka (Schwester). Unsere “Kaffeepausen” im Waranga, Ausflüge in die Corsobar, Fotosessions mit Weichfilter, wecken bis heute gemeinsame Erinnerungen, wenn auch oft nur als Puzzleteile, vieles ist verschwommen. Warum, ist mir ein Rätsel.

Bei unseren Touren liefen wir immer wieder Emil & Ram wieder über deren Arbeitsweg. Zunächst auf rein freundschaftlicher tanzender Basis.

Emil und die Frauen

Woran ich mich wiederum nur eher dunkel erinnern kann. Ich weiß ich wiederum noch sehr genau, dass ich als guter Nachbar lernte, immer genügend Brot daheim zu haben und dass man aber auch wirklich JEDEN Sport in der Glotze schauen kann. Egal wie langweilig dieser auch sein mag. Dafür gabst du mir den Feinschliff als DJ. Wir rockten Coldplay im Romy S. und wir trauerten gemeinsam um Michael Jackson während unseres Gigs im Tonstudio. Das sind für mich Momente für die Ewigkeit.

In anderen Momenten fragten wir uns, deine Freunde, was ist eigentlich beim Emil und den Frauen los? Was geht da? Beziehungsweise: Warum geht da nichts? Am Angebot hat es nicht gemangelt. Sie standen reihenweise ums DJ Pult, und liebe Sil, sie standen wirklich nicht wegen mir da. Erst später dann die eine, und die ist heute Gott sei Dank auch anwesend. Und liebe Sil, auch das möchte ich dir sagen, er hat nie eine mitgenommen! Er hat sich stets für mich entschieden. Gemeinsam gingen wir nach Hause.

Die eine oder andere Verkupplungsaktion wurde gestartet, wie zum Beispiel lancierte Dinners. Geholfen hat alles nichts. Und wenn es Emil richtig wissen wollte und er auf Angriffsmodus schaltete, hat er stets zart seinen Arm auf die Schulter des weibliche Zielobjekts gelegt. So war der Running-Gag zwischen Bams und mir irgendwann: „Er hat seinen Arm um sie gelegt.“ „Ah, isser rangegangen?!“

Hat er damals seinen Arm auch um deine Schulter gelegt, Sil?

 Janja und wie sie zusammenkamen

Ich zumindest habe das anfangs nicht beobachten können, dass mein Bato (zu Deutsch mein Bruder), der Emil, seinen Arm ausgefahren hat. Gut verstanden habt ihr euch jedoch gleich. Die Liebe auf den ersten Blick schien es aber nicht zu sein. Weil ein DJ als Freund nicht auf deiner Agenda stand. Ein fürsorglicher seriöser Normalo, ein Nine-To-Five-Jobler entsprachen zu dieser Zeit deinen Vorstellungen von einem Mann für die gemeinsame Zukunft.

Vorerst kamt ihr euch über Chats und regelmäßigen Besuche bei Emils DJ-Jobs näher. Bald darauf ging es schon unseren Telefonaten über eigenartige, seltsame Copy & Paste-Liebesbriefe und deine Verwirrtheit über Aussagen zwischen den Zeilen. Emil kopierte tatsächlich Liebesbriefe, die er im Internet fand, in das Chat-Fenster rein. Emils Humor war dir zu dieser Zeit noch nicht so geläufig. Wobei ich zugestehen muss, war er mir auf dieser Ebene ebenso nicht. Somit waren wir zwei einfachhalber gemeinsam verwirrt.

Martin

Unten habe ich von dieser Annäherung natürlich nicht viel mitbekommen. Emil meinte nur mal lapidar: „Ich chatte gerade immer mit dieser Sil.“ Und er hat mir die Geschichte von den kopierten Liebesbriefen erzählt. Ich fand das natürlich ziemlich lustig. Genau mein Humor.

Finally: Irgendwann waren die zwei halt zusammen. Und es war schlicht und einfach eine Sensation. Wenn es in den Nullerjahren zwei gute Nachrichten aus Stuttgart gab, dann waren es zum einen die VfB-Meisterschaft im Jahr 2007 und zum anderen, dass Emil endlich eine Freundin hat.

Janja über die beiden

Dass wir heute hier sind, liegt an euren starken Charakteren, die sich anziehen. Emils Humor ist einzigartig. Er bringt dich, liebe Seka, zum Lachen, sowie mit seiner in-der-Ruhe-liegt-die-Kraft-Art öfters mal zur Weißglut. Sein Talent für kreative und raffinierte Taten sind legendär. Wer sonst macht Heiratsanträge mit Kochlöffeln? Nicht nur sein Zeichen der Liebe, sondern auch für deine grandiosen Kochkünste.

Wenn deine Nerven blank liegen, Du ausflippen könntest oder wie ein Schlosshund heulen, weiß Emil, wie er dich aufmuntern kann. Er weiß, dass dein Herz ihm gehört.

Emil ist der spannendste Mensch, den du kennst. Einer, der dich inspiriert und dich immer wieder mit neuen Dingen überrascht. Auch finde ich bemerkenswert, wie du Emil aus der dunklen “Vinyl”-Westwohnung zum professionellen Landschaftsgärtner mutieren hast lassen.

Sil versprüht Lebensenergie und positive Stimmung. Sie ist da, wenn du sie braucht. Sie signalisiert dir, lieber Emil, dass Du der wichtigste Mensch in ihrem Leben bist, ohne den sie nicht leben möchte. Sie fängt dich auf, wenn Du fällst. Und ein ganz wesentlicher Punkt: Ihre Lieblingsmusik nicht die ist, die im Radio und Großraumdiscotheken gespielt wird. Dafür sitzt ihr Geldbeutel manchmal etwas zu locker. Wem sage ich das. Die früheren Shoppingtouren mit versteckten Shoppingtüten hast du ihr erfolgreich wegtherapiert.

Sil ist die Frau für alle, aber wirklich, alle Fälle. Der erste große Liebesbeweis war, als sie zu dir von der sonnenerleuchteten Killesberg-Wohnung in die Single-Männer-Westside-Butze gezogen ist.

Zusammengezogen, Obertürkheim

Für mich unten drunter war amüsant, die Verwandlung von DEM Prototypen des ewigen Junggesellen, süchtig nach dem Sportkanal, in den etwas häuslicheren Pärchen-Emil zu erleben. Sil hat – dem gängigen Frauenklischee entsprechend – die besagte Westside-Wohnung kurzerhand neu durch konzipiert. Und Sil hat das – natürlich – sehr, sehr toll und perfekt gemacht, wie alles, was sie tut. Nur: Viel von Emil war da danach nicht mehr zu sehen, außer vielleicht die Eulen an der Wand.

Prinzipiell fand ich es aber erfreulich, dass der Fliesentisch im Wohnzimmer verschwunden ist. Weil lieber Nachbar, und du bist ein Mann des guten Geschmacks und dafür muss man wirklich nicht Tine Wittler heißen: Ein Fliesentisch ist ein absolutes No-Go wie Helene Fischer im DJ-Set. Als ich dann aber nach Sils Einzug mit großem Schrecken erstmals dieses eigenartige Deko-Schiffchen auf dem Spülkasten der Toilette entdeckte, dachte ich mir: Oh Nachbar, ob das gut alles geht?

Ob das gut geht, dachte mir dann noch einmal, als ihr wirklich meintet, nach Obertürkheim ziehen zu müssen. Du, der Junge aus der Westside wird Obertürke. Anfangs fiel es mir schwer, das zu glauben. Aber ich sehe es dir an, du hast alles richtig gemacht. Und das liegt nicht allein an dem heutigem Überfluss an Tageslicht, das liegt mehr daran, dass du diesen Weg mit der Frau gegangen bist, die immer genau weiss, was ein Emil braucht und was gut für dich ist. Anders gesagt: Du hast die Frau gefunden, die wir uns alle für dich immer gewünscht haben.

Janja: Wir wissen also heute, dass es gut gegangen ist, sonst wir wären wir auch nicht hier. Und das ist gut so, dass wir heute hier sind, auf dieser wundervollen Hochzeit zweier toller Menschen, die wir allesam unendlich mögen, schätzen und gar lieben.

Martin: Deswegen sagen wir abschließend: Wenn eine Frau einem Mann, der DJ ist, ins proTON hinterherrennt, dann sagen wir: Diese Frau MUSS man einfach heiraten und sollte sie bis in alle Ewigkeiten lieben und verehren!

Wir wünschen Euch für die gemeinsame, ewige Zukunft alles, alles Gute.

Auf die Liebe!